Key Takeaways
Amyloidose kann durch Ablagerungen fehlgefalteter Proteine Erektionsstörungen verursachen, in erster Linie durch Durchblutungsstörungen und Nervenschäden.
Besonders häufig treten Erektionsstörungen bei der hereditären Transthyretin-Amyloidose (ATTRm) auf.
Medikamente zur Behandlung der Amyloidose oder von Begleiterkrankungen können ebenfalls Erektionsprobleme auslösen.
Psychische Belastungen durch die Krankheit können die sexuelle Funktion zusätzlich negativ beeinflussen.
Neben der gezielten Therapie der Amyloidose können PDE-5-Hemmer und Lebensstiländerungen bei Erektionsstörungen helfen.
Amyloidose ist eine Erkrankung, bei der sich fehlgefaltete Proteine in Organen ablagern. Eines der betroffenen Organe kann dabei auch der Penis sein. Tatsächlich leiden etwa 40% der von hereditärer Transthyretin-Amyloidose Betroffenen an Erektionsstörungen. Hier erfährst du, wie eine Amyloidose Erektionsstörungen verursachen kann, bei welchen Amyloidosen dieses Problem am häufigsten auftritt und was du dagegen konkret tun kannst – denn deine sexuelle Gesundheit ist ein wesentlicher Teil deiner Lebensqualität.
Darum können bei Amyloidose Erektionsstörungen auftreten
Eigentlich ist es ganz normal, dass bei der Faltung von Proteinen auch einmal etwas falsch läuft. Fehlgefaltete Proteine werden dann im Normalfall von speziellen Kontrollmechanismen korrigiert oder entsorgt. Bei Amyloidosen sind diese Schutzsysteme aber entweder überfordert oder ineffektiv. Die fehlgefalteten Proteine, die als Amyloide bezeichnet werden, lagern sich in weiterer Folge in unterschiedlichsten Geweben ab und verursachen dort Probleme.
So können auch für die Erektion notwendige Strukturen direkt oder indirekt von Amyloidose betroffen sein – das Ergebnis zeigt sich dann als Erektionsstörung. Die Hauptmechanismen sind Durchblutungsstörungen, Nervenschäden, medikamentöse Nebenwirkungen und psychische Probleme. Aber auch strukturelle und hormonelle Probleme können durch eine Amyloidose verursacht werden.

Durchblutungsstörungen durch Amyloidose
Amyloidose kann die Blutgefäße beeinträchtigen, indem sie die Gefäßwände verdickt und ihre Elastizität verringert. Darunter leidet die Durchblutung – ein zentraler Faktor für eine Erektion. Das kann einerseits in den Gefäßen des Penis direkt passieren, oder auch in anderen Organen wie dem Herzen. Dadurch kann die allgemeine Herz-Kreislauf-Gesundheit unter Amyloidosen leiden und so die Erektionsfähigkeit über eine reduzierte körperliche Leistungsfähigkeit zusätzlich negativ beeinflussen.
Nervenschäden durch Amyloidose
Amyloidablagerungen können die Nerven schädigen, auch diejenigen, die für die Steuerung der Erektion zuständig sind. Wenn die Signalübertragung gestört ist, wird eine Erektion erschwert oder gar unmöglich.
Strukturelle Probleme durch Amyloidose
Amyloidose kann durch die Ablagerungen auch strukturelle Störungen im Penis verursachen. Wenn sich Amyloid in den Geweben des Penis ablagert, kann das zur Bildung von Penisverkrümmungen (Peyronie-Krankheit) und Schwellkörperfibrose führen.
Hormonelle Probleme durch Amyloidose
Amyloidose kann sich auch in wichtigen hormonbildenden Organen wie der Nebenniere, der Schilddrüse und den Hoden festsetzen. In diesen Fällen kann die Hormonproduktion beeinträchtigt werden. So kann Amyloidose auch auf dem hormonellen Weg Erektionsstörungen verursachen.
Medikamentöse Nebenwirkungen durch Amyloidose
Medikamente können Freunde, aber auch Feinde sein – leider sind sie nicht selten beides zugleich. Einige Medikamente, die zur Behandlung von Amyloidosen zum Einsatz kommen, können Erektionsstörungen als Nebenwirkung verursachen. Dazu zählen vor allem Immunmodulatoren und Chemotherapeutika. Auch Betablocker, die oft zur Herzschonung verschrieben werden, können die Erektionsfähigkeit beeinträchtigen. Zudem können Diuretika und einige Antidepressiva, die bei Begleiterkrankungen eingesetzt werden, eine Rolle spielen.
Psychische Probleme durch Amyloidose
Eine Erkrankung wie Amyloidose verursacht unweigerlich emotionalen Stress. Die ständige Belastung und mögliche körperliche Einschränkungen können Angst und Depressionen auslösen. Diese psychischen Faktoren haben direkte Folgen für die Sexualfunktion, denn sie führen zu einem gesteigerten Level an Stresshormonen (Cortisol) und verringerter Libido. Zusätzlich können sich auch Erschöpfung und Schlafstörungen negativ auswirken.
Diese Amyloidosen sind von Erektionsstörungen betroffen
Wenn du von Amyloidose betroffen bist, weißt du bestimmt, dass es verschiedenste Arten von Amyloidosen gibt. Lass uns einen Blick darauf werfen, welche Amyloidosen Erektionsstörungen mit sich bringen können. Lokalisierte Amyloidosen führen praktisch nicht zu Erektionsstörungen. Daher fassen wir nachfolgend nur potenzielle systemische Amyloidosen genauer ins Auge.

Hereditäre Transthyretin-Amyloidose (ATTRm)
Diese Form wird durch genetische Mutationen (daher auch das „m“) in einem Protein mit dem Namen Transthyretin verursacht. Sie betrifft meist Nerven und das Herz und ist – wie der Name bereits verrät – familiär bedingt. Es handelt sich um die häufigste vererbte Amyloidose.
Bei ATTRv treten oft Schäden in den peripheren Nerven (Polyneuropathie) auf. Periphere Nerven sind diejenigen außerhalb des Gehirns und des Rückenmarks. Auch die Nerven, die für eine Erektion notwendig sind, können dabei betroffen sein. Daher kann ATTRv direkt zu einer Erektionsstörung führen. Das kommt leider relativ oft (rund 40% der Betroffenen) vor, da periphere Nervenschäden und eine Störung des unbewussten Nervensystems zentrale Merkmale dieser Amyloidose sind. Betroffene von ATTR, bei denen die Erkrankung sich schon in jungem Alter zeigt, sind häufiger von Erektionsstörungen betroffen als diejenigen, bei denen sich die Krankheit erst später bemerkbar macht.
„Bei der hereditären ATTR treten – bedingt durch periphere Nervenschäden – am häufigsten Erektionsstörungen auf.“
Erworbene Transthyretin-Amyloidose (ATTRwt)
Bei der ATTRwt handelt es sich um die zweite Form der Transthyretin-Amyloidose, nämlich um die erworbene, man spricht auch von der Wildtyp-Form (daher das „wt“). Das heißt, bei ATTRwt ist das Problem keine genetische Veränderung des Transthyretin-Proteins, sondern dass sich das normale Transthyretin-Protein mit steigendem Alter zunehmend fehlfaltet. Daher tritt die ATTRwt auch meist ab dem 60.-70. Lebensjahr auf. Es sind vornehmlich Männer betroffen – warum, ist noch unklar.
In den meisten Fällen sind die Amyloid-Ablagerungen bei der ATTRwt im Herz, aber auch Nerven können involviert sein. Nervenschäden sind jedoch weniger häufig als bei der vererbten Form. Daher ist auch eine Erektionsstörung bei der ATTRwt seltener.
Leichtketten-Amyloidose (AL-Amyloidose)
Die AL-Amyloidose wird durch abnorme Immunglobulin-Leichtkettenproteine verursacht. Sie kann de facto alle Organe und Gewebe betreffen, also auch Blutgefäße, Nerven und das Herz.
Erektionsstörungen können daher auch bei der AL-Amyloidose auftreten. Allerdings sind die Nerven in der Regel nicht so stark betroffen wie bei der ATTRv, weshalb auch Erektionsprobleme vergleichsweise nicht ganz so häufig auftreten. Die Schädigung der Blutgefäße spielt jedoch bei der AL-Amyloidose eine zusätzliche Rolle und kann sich negativ auf die Erektion auswirken.
„Die AL-Amyloidose schädigt auch die Blutgefäße und damit oft die Durchblutung im Penis.“
Schwerketten-Amyloidose (AH-Amyloidose)
Die AH-Amyloidose ist eine seltene Form der systemischen Amyloidose, bei der sich abnorme Immunglobulin-Schwerkettenproteine ablagern. Sie kann ähnlich wie die Leichtketten-Amyloidose alle Gewebe betreffen. Aufgrund der Seltenheit der AH-Amyloidose gibt es jedoch keine spezifischen Untersuchungen zu Erektionsstörungen.
Sekundäre Amyloidose (AA-Amyloidose)
Die sekundäre Amyloidose entsteht als Folge einer anderen Erkrankung. Häufig sind chronische Entzündungen (z.B. Rheumatoide Arthritis, Morbus Crohn, Hepatitis) oder langfristige Krebserkrankungen (z.B. Hodgkin-Lymphom, Multiples Myelom) ursächlich. Die Grunderkrankungen führen zu einer erhöhten Produktion des Proteins Serum-Amyloid-A. In erster Linie sind die Nieren von den Ablagerungen betroffen, weshalb eine Erektionsstörung hier nur selten direkt durch die Amyloidose bedingt ist.

Behandlung von Erektionsproblemen bei Amyloidose
Als Betroffener von Erektionsstörung bei Amyloidose kannst du verschiedene Maßnahmen ergreifen, um deine Erektionsfähigkeit zu fördern.
Behandlung der Grunderkrankung
Natürlich steht die Therapie der Amyloidose selbst im Vordergrund. Je nach Typ der Amyloidose kommen hierfür unterschiedliche Behandlungen infrage – von Medikamenten zur Reduzierung der Amyloidproduktion bis hin zu Immuntherapien. Suche dir einen Arzt oder eine Ärztin, die auf deine Erkrankung spezialisiert ist, um die bestmögliche Therapie zu bekommen. Denn eine erfolgreiche Behandlung kann das Fortschreiten der Gefäß- und Nervenschäden verlangsamen oder gar stoppen.
Spezifische Therapien für Erektionsstörung
Unterstützend kannst du zu spezifischen Behandlungsmethoden für Erektionsprobleme greifen. Die erste Wahl sind hier in der Regel PDE-5-Hemmer, der bekannteste Vertreter ist weitläufig unter dem Namen Viagra (Sildenafil) bekannt. Diese Medikamente verbessern die Durchblutung im Penis und können so die Erektionsfähigkeit unterstützen.
„PDE-5-Hemmer wie Viagra helfen bei Erektionsstörungen durch Amyloidose, indem sie die Durchblutung im Penis verbessern.“
Neben PDE-5-Hemmern gibt es noch andere Möglichkeiten wie Vakuumpumpen, Prostaglandin-Pellets oder -Injektionen und Penisprothesen.
Mehr dazu hier: Überblick über die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten für Erektionsstörungen
Lifestyle
Ein gesunder Lebensstil ist nicht nur in Hinblick auf die Amyloidose, sondern auch auf die Erektionsfähigkeit bedeutend. Dazu gehört vor allem der Verzicht auf Rauchen und Alkohol, da dies die Blutgefäße noch weiter schädigt. Mache regelmäßig Bewegung, um deine Durchblutung aktiv zu fördern. Ebenso hilft gesunde Ernährung zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Risiken.
Nicht zuletzt sind Erkrankungen psychisch oft äußerst belastend. Eine im Rahmen von Amyloidose auftretende Erektionsstörung kann die Last weiter erhöhen. Eine psychologische Unterstützung kann nicht nur die Last erleichtern, sondern auch bei indirekt durch Amyloidose bedingten Erektionsstörungen helfen.
Nimm außerdem regelmäßig deine ärztlichen Kontrollen wahr, denn Amyloidose ist eine fortschreitende Erkrankung. Deshalb sind fortlaufende Untersuchungen besonders wichtig, um den Verlauf zu überwachen und gegebenenfalls die Behandlung anzupassen.
Fazit
Gewisse Amyloidosen zeigen sich auch über Erektionsstörungen. Besonders anfällig dafür sind Betroffene der hereditären Transthyretin-Amyloidose. PDE-5-Hemmer können jedoch Abhilfe schaffen und die Lebensqualität maßgeblich steigern.
Quellen
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